zurück weiter
10.12.2007 | 17:00
Traumberuf Beach-Volleyball-Profi?!
Brasilien, Ipanema Beach, 16:00 Uhr Ortszeit:
Die beiden Mädels jagen, von den Anfeuerungsrufen ihrer brasilianischen Trainer unterstützt, dem x-ten Abwehrball hinterher. Jetzt ist endlich mal eine kurze Trinkpause fällig. Bei geschätzten 38 Grad und einer so schweißtreibenden Angelegenheit wie Beach-Volleyball muss der Flüssigkeitsverlust schnellstmöglich ausgeglichen werden, um leistungsfähig zu bleiben.
Auch wenn die beiden ziemlich geschafft aussehen, machen sie doch auch einen glücklichen Eindruck. Die Trainingseinheit scheint gut verlaufen zu sein.
Wo andere Urlaub machen, steht für echte Beach-Volleyballprofis anstatt faul auf der Liege zu liegen und einen Schmachtfetzen zu verschlingen hartes Training auf dem Programm.
Hinzu kommt dann noch das regelmäßige Krafttraining.
So ein Programm kann ganz schön schlauchen, da darf die Erholung nicht zu kurz kommen. Auch wenn die ein oder andere Strandbar oder das gesellige BBQ zum längeren Verweilen einlädt, sollte daher regelmäßiger Schlaf auf dem Programm stehen.
Jonas Reckermann hat uns mal einen typischen Tagesablauf während der Saisonvorbereitung in Deutschland beschrieben:
07:30 Uhr: Aufstehen und sich fertig machen für den Tag.
08:00-08:30 Uhr: Frühstücken (Vollkornbrot, O-Saft, kleinen Kaffee).
08:45 Uhr: Abfahrt zum Training nach Düsseldorf.
09:30-09:45 Uhr: Umziehen fürs Training.
09:45-10:00 Uhr: Aufwärmen.
10:00-12:00 Uhr: Balltraining.
12:30 Uhr: Duschen und zurück nach Köln.
13:00-13:45 Uhr: Physiotherapie.
14:15-14:45 Uhr: Essen in der Mensa der DSHS Köln (Nudeln, Reis oder Kartoffeln, gerne auch alles zusammen mit Fleischbeilage und einem kleinen Salat).
15:00- 15:30 Uhr: Mittagsschlaf (dabei Handy aus).
15:30- 16:00 Uhr: Freizeit zum Erledigen privater Dinge oder Zeitung lesen etc.
16:30- 18:00 Uhr: Krafttraining.
18:00 Uhr: Schnell nach Hause, FC Spiel gucken vorm TV, noch mal eine Mahlzeit einschieben (kohlenhydratreich! Gerne Nudeln).
18:00 – 23:30 Uhr: Freizeit, Poker Spielen mit Freunden oder andere unterhaltende sowie private Dinge.
23:30 Uhr: Nachtruhe.
Erfolg = Erfolgsdruck
Aber nicht nur das anstrengende Training kann zur Belastung werden, auch der psychische Druck darf nicht unterschätzt werden. Wer schon so viel Zeit und Engagement in eine Sache steckt, der erwartet natürlich auch Erfolg. Gleiches gilt auch für das Umfeld oder die Sponsoren beispielsweise, so dass der Erfolgsdruck groß ist.
Hinzu kommt, dass der Erfolg im Beach-Volleyball spätestens ab einem gewissen Leistungsniveau von der mentalen Stärke abhängt, denn gute Schläge zum Beispiel beherrscht dann jeder. Aber zur richtigen Zeit das Richtige zu machen und nicht unter dem Druck zusammenzubrechen, darin liegt die Kunst. Eine weitere Besonderheit des Sports: Da die Gegner es zumeist darauf anlegen, einen Spieler „zu knacken”, das heißt ihn zu Fehlern zu zwingen, lastet der Druck scheinbar nur auf diesem Spieler. Für das Publikum scheint nur dieser Spieler das Spiel zu gewinnen oder zu verlieren.
Diesem Druck muss man gewachsen sein, um seine sportlichen Ziele mit Begeisterung verfolgen zu können. Nach Aussagen vieler Betreuer und Spieler sind ein stabiles Umfeld, ein gutes soziales Netzwerk und andere Ziele wie schulische oder berufliche hilfreich und sehr gute Ausgleichsmöglichkeiten zu den Höhen und Tiefen des Sports.
Der lange Weg zum Erfolg
Wer sich mit Beach-Volleyball-Erfolgen finanzieren möchte, braucht jedoch nicht nur das nötige Talent, den Ehrgeiz und ein optimales Umfeld, sondern zudem auch einen langen Atem. Leider lässt sich mit Beach-Volleyball nicht, wie zum Beispiel wie mit Fußball, schon in unteren Leistungsklassen frühzeitig Geld verdienen und auch die Einnahmemöglichkeiten im Spitzenbereich sind noch nicht vergleichbar mit anderen "großen" Sportarten.
Hat man sich jedoch zum Beispiel im internationalen Bereich (FIVB World Tour) etabliert, locken relativ hohe Preisgelder und mögliche Sponsorenverträge.
Sara Goller und Laura Ludwig verdienten im Jahr 2007 allein auf der FIVB World Tour 121.500,- Euro Preisgeld bei zwölf gespielten Turnieren. Dazu kommen dann noch die Titelprämien sowie Sachprämien der Deutschen Meisterschaften 2007 und der Vize-Europameistertitel 2007 von Valencia. Neben diesen Titelprämien, Sponsorengeldern und Sachpreisen haben die Teams natürlich auch Ausgaben wie Reisekosten, Verpflegung und Trainergehälter.
Um irgendwann ganz oben mitspielen zu können, muss man jedoch klein anfangen
In der Regel erspielt man sich als Nachwuchsteam auf den Turnieren der Landesverbände, die in unterschiedliche Kategorien eingeteilt sind, Punkte, um sich dann irgendwann auch für die Teilnahme an den Turnieren der nationalen Tour (smart beach tour) qualifizieren zu können. Hat man auf dieser Tour erstmal Fuß gefasst und kann sich zum Beispiel für die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft qualifizieren, ist ein wichtiger Schritt geschafft.
Der Leistungssprung, der anschließend notwendig ist, um auch an internationalen Wettkämpfen teilnehmen zu können, darf nicht unterschätzt werden.
Aus diesem sowie aus finanziellen Gründen spielen viele Teams, die diese Hürde nehmen und international durchstarten möchten, zunächst die Turniere der FIVB World Tour oder der europäischen Serie, die in Nachbarländern oder sogar in Deutschland stattfinden.
Werdet ihr vom Deutschen Volleyball-Verband entdeckt und gefördert, erhaltet ihr Unterstützung im Trainingsbereich und ein anteilige Kostenübernahme.
Der Weg ist auch ein Ziel
Nun haben wir euch auch einige negative Seiten des Lebens als Beach-Volleyball-Profi gezeigt und euch darauf aufmerksam gemacht, dass sich der Erfolg nicht von selbst einstellt.
Abschließend muss man jedoch auch noch mal sagen, dass Beach-Volleyball ein so genialer Sport ist, dass es unserer Meinung nach nicht nur darauf ankommt, das Ziel zu erreichen.
Wer diese Begeisterung teilt, dem wird auch der Weg dorthin, sprich das Training im Sand, das Pfeilen an den Techniken und das Kräftemessen im Wettkampf, unendlich viel Spaß machen!
Wir haben verschiedene aktive und ehemalige Profis zum Thema befragt. Einen Ausschnitt aus den Antworten findet ihr hier:
Ist Beach-Volleyball-Profi zu sein oder warum ist Beach-Volleyballprofi zu sein ein Traumberuf für dich?
Rieke Brink-Abeler: "Beach-Volleyball-Profi ist für mich definitiv ein Traumberuf, weil man sein Hobby zum Beruf machen kann und immer in den schönsten Städten und an der schönsten Stränden der Welt spielen und trainieren kann."
Mischa Urbatzka: "Für mich ist Beach-Volleyball-Profi zu sein ein Traumberuf aus den selben Gründen, die Rieke auch schon genannt hat. Zwar ist es manchmal nicht angenehm trainieren zu müssen, wenn man so gar keine Lust hat oder das Wetter nicht mitspielt, aber da muss man sich dann selber in den Arsch treten. Darüber hinaus finde ich, dass man die Eindrücke der Länder, Menschen und Sprachen, die man über die Jahre bekommt, sehr positiv nutzen kann für sein weiteres Berufsleben nach der sportlichen Karriere. Man bekommt gute Einblicke, wie es zum Beispiel in anderen Kulturen so zugeht.”
Was würdet ihr Jugendlichen raten, die das Ziel haben, Beach-Volleyball-Profi zu werden?
Rieke Brink-Abeler: "Auf jeden Fall würde ich das Abitur machen, da es immer gut ist, eine solide Grundausbildung zu haben. Desweiteren bin ich der Meinung, dass es in Deutschland sehr wichtig ist, eine gute Hallen-Volleyball-Ausbildung zu haben, damit die Grundlagen stimmen. Wir haben nun mal nicht die Möglichkeiten und Strukturen der Brasilianer, die im Sand groß werden. Ab dem 20. Lebensjahr sollte man sich dann aber ganz dem Beach widmen und dort Gas geben."
Mischa Urbatzka: "Jugendlichen kann ich nur raten, sich sehr früh darüber im Klaren zu sein, was man eigentlich will. Wenn man unbedingt ein Profi werden will, muss man sich auch darauf einlassen, dass diese Entscheidung das eigene Leben sehr verändern wird. Ein normaler Ablauf wie zum Beispiel nach der Schule Freunde treffen, um was zu machen oder am Wochenende Feiern gehen, wird dadurch stark eingeschränkt. Der Sport bindet einen sozusagen. Natürlich braucht man auch das nötige sportliche Talent und ein hohes Maß an Eigeninitiative. Man muss seine eigenen Strukturen schaffen. Dazu gehört eigenständiges Aussuchen der Trainingspartner, die qualitativ besser sein sollten als man selbst oder zumindest auf dem gleichen Level. Sonst kann es passieren, dass man sich nicht weiterentwickelt. Wenn man sich seine eigenen Grundstrukturen geschaffen hat, braucht man natürlich auch noch den nötigen Ehrgeiz und Fleiß."
zur Übersicht