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27.12.2007 | 19:00
Kleinmann: "Zu weit aus dem Fenster gelehnt"
Österreichs "Mister Volleyball" Peter Kleinmann ist kein Mann der kleinen Worte. Im exklusiven sportnet.at-Interview zieht der hotVolleys-Manager und geschäftsführende Präsident des ÖVV eine Bilanz zur Lage der Volleyball-Nation.
Wenn es um Volleyball geht, ist Peter Kleinmann der "Go-to-Guy" der österreichischen Medienlandschaft, kennt sich nicht nur bei seinen aon hotVolleys aus, sondern ist über alle Vorgänge im nationalen und internationalen Volleyball auf dem Laufenden.
Auf sportnet.at spricht der Neo-60er in einer persönlichen Jahresbilanz über Highlights und Tiefpunkte der hotVolleys, den Status Quo von Nationalteam und österreichischer Nachwuchsarbeit, die Hauptkonkurrenten Tirol und Aich/Dob und (fast) nicht über den Rücktritt von Stefan Tweraser als ÖVV-Präsident.
sportnet.at: Was waren die Highlights und Enttäuschungen deiner aon hotVolleys im Jahr 2007?
Peter Kleinmann: “Wir haben das erreicht, was wir uns als Hauptziel vorgenommen haben: Den Meistertitel nach Wien zurückzuholen. Das zweite Highlight war für uns die Wahl zum Topsport-Verein des Jahres. Wir sind in der männlichen Jugend der mit Abstand beste Verein in Österreich und auch im Breitensport sind wir stark präsent. Eine Enttäuschung war die Champions League. Da habe ich mich zu weit aus dem Fenster gelehnt. Vier Niederlagen in vier Spielen sind natürlich nicht unser Anspruch. Ebenfalls weh getan hat das Ausscheiden im Cup, den wir mit den Jungen diesmal gewinnen wollten.”
Wie geht die Entwicklung des österreichischen Nationalteams voran?
"Da kann man noch nicht viel sagen. Wir haben aber heuer gegen Schweden daheim einen Prestige-Erfolg gefeiert, und die haben in der Olympia-Quali immerhin die Slowakei besiegt. Unser nächstes Ziel ist die EM 2011, die wir nach Österreich holen wollen. Dort wollen wir ein starkes Nationalteam stellen. Die Schienen dafür sind gelegt, das Trainerteam besitzt langfristige Verträge, die jungen Spieler haben gutes Potenzial."
Wie beurteilst du die Leistungen der beiden Hauptkonkurrenten Tirol und Aich/Dob?
"Tirol ist heuer wieder stärker geworden und näher gerückt. Im Europacup hatten sie Pech, das kann passieren. Auch der zweite Platz in der MEVZA, noch vor Top-Teams-Cup-Sieger Bled, ist eine starke Leistung. Die Überraschungsmannschaft ist für mich aber Aich/Dob. Nach ihren starken Leistungen bisher traue ich ihnen das Final Four sowohl im Challenge Cup als auch in der MEVZA zu."
Der Grunddurchgang der AVL ohne die großen Drei ist spannend wie nie zuvor. Wie gut ist das Niveau der Liga?
"Es ist ähnlich wie im Fußball. Die Liga ist spannend und ausgeglichen wie nie, jeder kann jeden schlagen, aber es könnte sportlich besser sein. Ich würde mir auch wünschen, dass mehr Österreicher spielen."
Wie ist es um den österreichischen Volleyball-Nachwuchs bestellt?
"Der U17- und U15-Jahrgang ist international sehr gut dabei. Bei den großen Turnieren in Friedrichshafen und Dresden gab es zuletzt große Erfolge – ein Verdienst der Volleyball-Akademie in Wien. In anderen Vereinen wäre teilweise mehr Professionalität in der Nachwuchsarbeit wichtig, aber das ist in Österreich sehr schwer. Das ist allerdings kein reines Volleyball-Problem. Es gibt den Beruf Jugend-Nachwuchs-Trainer in sozial abgesicherter Form nicht, und daran krankt es im österreichischen Sport allgemein."
Wie schlagen sich deiner Meinung nach die beiden österreichischen Legionäre Philip Schneider beim AS Cannes und Lukas Schützenhofer bei den Netzhoppers Königs-Wusterhausen?
"Die Leistungen von deinem Namenskollegen Philip Schneider sind sehr positiv und erstaunlich. Er hat bis zu seiner schweren Verletzung unglaubliche Spiele gemacht, war bei einer der prominentesten Mannschaften Europas teilweise Topscorer. Das hatte ich ihm nicht zugetraut. Ich hoffe, die Verletzung wirft ihn nicht zu sehr aus der Bahn. Auch der “Luki” macht seine Sache in der Deutschen Bundesliga sehr gut, spielt permanent, wie wir es bei einem Legionär brauchen und bekommt gute Kritiken – absolut positiv."
Hat sich für dich als geschäftsführenden Präsidenten nach dem Rücktritt von Stefan Tweraser als Präsident des österreichischen Volleyball-Verbandes etwas geändert?
"Es hat sich nicht viel geändert, was die Arbeit betrifft. Aber ich will das nicht weiter kommentieren. Das ist mir zu gefährlich. Nur, dass die Zusammenarbeit mit der Telekom Austria weiter sehr gut funktioniert und wir hoffen, mit ihr weiterhin als wichtigen Partner den Weg gemeinsam zu gehen. Vor allem im Hinblick auf die EM 2011."
Du hast ja erst kürzlich einen runden Geburtstag gefeiert. Wie fühlt man sich mit 60?
"Gut. (lacht) Aber ich muss schauen, dass ich fit bleibe. Aber prinzipiell ist es nur eine Zahl, sonst gar nichts. Allerdings habe ich natürlich das Feiern, die Glückwünsche genossen. Ich hatte damit noch nie ein Problem, außer mit 30. Damals habe ich mich alt gefühlt, heute mit 60 nicht."
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